Pressemitteilung vom Donnerstag, 22.09.16
 
Naturschutz kämpft für die Artenvielfalt im Moor
 
Gartenabfälle gehören nicht in die Natur

Bad Buchau – Gartenabfälle gehören nicht in die Natur, weil die darin enthaltenen Samen fremdländischer Pflanzen im Gelände keimen und seltene Pflanzen verdrängen. Vermeintlich harmlose Gartenpflanzen erweisen sich für die empfindliche Moorvegetation als gefährlich, so der Leiter des NABU-Naturschutzzentrums Federsee, Jost Einstein.
„Mit Beginn der herbstlichen Aufräumarbeiten im Garten appellieren wir an die Gartenbesitzer, ihr Grüngut ordnungsgemäß zu entsorgen und nicht in die Moorwälder abzulagern!“ sagt Jost Einstein. „Die über Gartenabfälle eingeschleppten Samen exotischer Pflanzen keimen in der Natur und verdrängen moortypische Arten. Damit bedrohen sie das ganze Ökosystem“ weiß der Naturschützer. Jedes Jahr koste die Ausrottung solcher Neophyten genannten Pflanzen den NABU mehrere hundert Arbeitsstunden.
Auch in diesem Jahr läuft seit Ende Juli die Bekämpfung der gefährlichen Pflanzen auf Hochtouren. Als aparte Farbtupfer werden die sattgelben Rispen der Kanadischen Goldrute und das rosa blühende Indische Springkraut von Gärtnern hoch geschätzt. Doch harmlos seien die Schönlinge nicht, so der Experte: „Das im 19.Jahrhundert aus dem Himalaya eingeführte Indische Springkraut wird bis zu zwei Meter hoch, überwuchert seltene Feuchtwiesenpflanzen und bringt diese zum Absterben.“

Hübsch, aber nicht harmlos

Jede einzelne Springkraut-Pflanze produziert über 4000 Samen, die bei der leichtesten Erschütterung meterweit geschleudert werden. „So hat eine nicht entdeckte Einzelpflanze im nächsten Jahr bereits einen Bestand von 14 Metern Durchmesser begründet“ beschreibt der Naturschützer. Verhängnisvoll ist auch die Widerstandskraft: Ausgerissene Pflanzenteile müssen entfernt werden. Während andere Pflanzen vertrocknen, bildet Springkraut an den Sprossknoten Wurzeln und wächst einfach weiter. Selbst mehrfach im Jahr abgemähte Pflanzen treiben wieder aus! „Die vielfältigen Ausbreitungswege einer so unverwüstlichen Pflanze zu durchbrechen, ist schwierig“ folgert der NABU-Mitarbeiter. „Fatalerweise werden die Samen auch über forstliche Maschinen verbreitet oder mit der Rinde gefällter Bäume an neue Standorte verschleppt.“
Auch die Goldrute ist ein großes Problem für die Federseenatur. Ihre Samen fliegen aus den Gärten ins Ried, und die daraus entstehenden Goldruten-bestände überwuchern die schützenswerten Pflanzengesellschaften.

Die Zeit drängt

Da hilft nur eine engmaschige Suche nach neuen Beständen, die Standortmarkierung per GPS und die regelmäßige Kontrolle auf nachwachsende Exemplare. Einzelpflanzen werden vor der Samenstreuung ausgerissen, in samendichten Behältern aus dem Ried transportiert und entsorgt. Größere Bestände müssen mit der Motorsense gemäht werden. Einstein gibt zu bedenken: „Die Neophytenbekämpfung ist kein Zuckerschlecken. Die Bestände befinden sich häufig an unzugänglichen Stellen mitten im Wald, so dass die Gerätschaften über weite Strecken geschleppt werden müssen“.

Kein Kavaliersdelikt

Dennoch lohnt es sich, die Ansiedlung im Keim zu ersticken. Erfahrungen aus anderen Naturschutzgebieten zeigen: die Etablierung der gefährlichen Exoten kommt einer Katastrophe für das gesamte Ökosystem gleich. Für das Federseemoor sieht Einstein jedoch gute Chancen, wenn die intensive Bekämpfung weiter geführt werden kann. „Allerdings setzen wir auch auf die Einsicht der Gartenbesitzer, ihr Grüngut nicht in der Natur zu entsorgen.“ mahnt der Moorschützer. Und er stellt klar: „Das Entsorgen von Gartenabfällen ins Moor ist kein Kavaliersdelikt, sondern strafbar.“ Sponsored, check out amazing deals inside loblaws flyer, shoppers drug mart flyer, food basics flyer, superstore flyer, metro flyer.


NABU Naturschutzzentrum Federsee, Pressereferentin: Kerstin Wernicke
Federseeweg 6, 88422 Bad Buchau, Tel: 0 78 52/15 66, Fax: 0 75 82/17 78, eMail:
 
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