Pressemitteilung vom Dienstag, 25.09.18
 
Wasserqualität entspricht den EU-Vorgaben
 
Der Federsee hat sich gut entwickelt

Bad Buchau – Der trockene Sommer war für die Moorlebensräume am Federsee eine Belastung. Im Ried fehlte zunehmend das notwendige Nass. Das Austrocknen des Sees allerdings wurde durch das Wehr verhindert, das vor 15 Jahren im Ablauf installiert worden war. Die Wasserqualität habe sich weiter verbessert, sagt der Leiter des NABU-Naturschutzzentrums Federsee, Jost Einstein.
„Gut 35 Jahre nach der Inbetriebnahme der Kläranlage mit Abwasserringleitung hat sich der Federsee weiter erholt“, konstatiert Jost Einstein vom NABU-Naturschutzzentrum Federsee. Die Nährstoffkonzentration nehme weiter ab, der See sei ganzjährig klar. Die Wasserqualität entspreche mittlerweile wieder dem Zustand, den die EU-Wasserrahmenrichtlinie vorgebe.
Ein Rückblick: 1963 kippt der See infolge der Einleitung ungeklärter Abwässer um. Blaualgen vermehren sich massenhaft. Das Wasser wird zu einer stinkenden grünen Brühe, bei Wind sammelt sich Schaum am Ufer. Die Wasserpflanzen sterben ab, und mit ihnen verschwindet die reiche Tierwelt. Auch die Touristen bleiben aus. Trotz Bau von Kläranlage und Ringleitung im Jahr 1982 dauert es bis 2008, bis der See wieder ins „Wasserpflanzen-Stadium“ zurückkippt. Heute ist das Wasser wieder klar, am Seeboden erkennt man Muscheln, empfindliche Anzeiger für eine gute Wasserqualität. In den dichten Wasserpflanzenbeständen tummeln sich Fische, Hechte lauern gut getarnt auf Beute. Während der Zugzeiten zeigen die bis zu dreitausend rastenden Wasservögel – darunter viele verschiedene Entenarten, Gänsesäger, Haubentaucher, Höckerschwäne und Blässhühner –, dass sie wieder genügend Nahrung in Form von Pflanzen, Fischen oder Kleintieren finden.

Entwicklung bleibt spannend

Dass nach der Sanierung des Sees die Artenvielfalt schrittweise zurückkommen würde, war vom Naturschutz prognostiziert worden. Überrascht hat allerdings, dass es so lange gedauert hat. Und noch ist alles im Fluss. „Auch 35 Jahre nach den Sanierungsmaßnahmen ist der Federsee immer noch in rascher Entwicklung. Die Dominanzverhältnisse unter den Pflanzen verschieben sich laufend, und über die Menge an Nahrung reagieren die Tiere mit Bestandsveränderungen“ sagt Jost Einstein. Nachdem zunächst verschiedene Wasserpflanzen um die Vorherrschaft im See konkurrierten, haben sich in den letzten drei Jahren vor allen zwei Arten durchgesetzt: das Hornblatt und die Gelbe Teichrose. Ein Großteil der Seefläche ist seither im Sommer von den Schwimmblättern der Teichrose bedeckt, die mit ihren langen Stielen Wassertiefen bis zu 1,30 Metern besiedeln kann. Unter Wasser dominiert das Hornblatt mit seinen quirlartig um die Achse angeordneten, schmalen Blättchen. Beiden Pflanzenarten sagen die aktuellen Bedingungen im Federsee offenbar besonders zu, während andere sich wieder etwas zurückgezogen haben. Darauf haben auch die Pflanzenfresser unter den Wasservögeln reagiert. Ihre Zahlen sind wieder etwas zurückgegangen. Die Zahl der Wasserinsekten, wie Libellen und Eintagsfliegen, nimmt dagegen weiter zu.

Eingriffe sind nicht nötig

„Das sind natürliche Prozesse, die keinerlei Eingriffe bedürfen, auch wenn Besucher vielleicht durch die vielen Schwimmblätter der Teichrosen auf der Seefläche irritiert sind. Mit der Zeit stellt sich ein natürliches Gleichgewicht ein“ weiß der NABU-Mitarbeiter Jost Einstein. Als gutes Beispiel für die natürlichen Regulationsmechanismen bezeichnet er den Höckerschwan. Die über hundert Schwäne finden im See reichlich Nahrung. Doch seit die Zahlen so hoch sind, bleibt der Nachwuchs aus. Zwar fanden sich im vergangenen Frühjahr 29 Paare zusammen. Doch nur eines zog Junge auf. „Der Dichtestress hemmt die Vermehrung“ erklärt der Ornithologe. Die zunehmende Gewässergüte zeige sich auch in den Untersuchungen des Instituts für Seenforschung, das den Federsee regelmäßig im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie beprobt. Sowohl mit den erfassten biologischen Kriterien als auch Nährstoffgehalten, Sauerstoffhaushalt und Temperatur sei das Institut zufrieden, so der Naturschützer.


NABU Naturschutzzentrum Federsee, Pressereferentin: Kerstin Wernicke
Federseeweg 6, 88422 Bad Buchau, Tel: 0 78 52/15 66, Fax: 0 75 82/17 78, eMail:
 
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