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NABU Naturschutzzentrum Federsee
> Aktuell > aktueller Naturbeobachtungstipp

  Beste Beobachtungsmöglichkeiten im Mai
Revierverteidigung, Vogelnachwuchs, Blüte der Feuchtwiesen: Natur auf Hochtouren


Flussseeschwalbe - elegant und wendig
Im Mai zeigt sich die Federseenatur von ihrer besten Seite: Die Zugvögel sind zurück gekehrt, und überall wird gebalzt, gesungen oder bereits gefüttert!
Beim Spaziergang auf dem Federseesteg kann man die ganze Vielfalt der Lebensräume erleben: In den Feuchtwiesen singen Braunkehlchen, Wiesenpieper, Feldschwirl und Feldlerche - gegen Monatsende haben sie dann Junge im Nest.
Überall im Ried ruft der Kuckuck seinen Frühlingsgruß. Über den Wiesen fliegen Rot- und Schwarzmilan gemeinsam mit Mäusebussard und Turmfalke. Die Moorwiesenblüte beginnt mit Scharfem Hahnenfuß, Wiesenknöterich, Wiesenschaumkraut, Kuckuckslichtnellke und Bachnelkenwurz.
Im Schilf schimpft der Rohrspatz alias Teichrohrsänger, daneben singen Rohrammer und Rohrschwirl. Die seltene Rohrweihe brütet, das Männchen vorsorgt seine Partnerin mit Mäusen.
Auf dem Federsee balzen lautstark die Flussseeschwalben und jagen im Sturzflug kleine Fische. Der Nachwuchs der Haubentaucher, Blässrallen und Höckerschwäne schlüpft.
 

  Feuchtwiesenblüte am Federsee
Eindrucksvolle Blütenteppiche der Feuchtwiesenpflanzen


Eindrucksvolle Blütenteppiche seltener Feuchtwiesenpflanzen sind im Mai und Juni das charakteristische Merkmal der Wiesen rund um den Federsee. Aufgrund des kleinräumigen Mosaiks an Wasser- und Nährstoffverhältnissen und wegen der unterschiedlichen Bewirtschaftung der Wiesenparzellen blühen die Feuchtwiesen in den verschiedensten Farbtönen: Kräftig lila leuchten die Blütenteppiche der Bachkratzdisteln, durchsetzt mit den hellrosa Tupfen des Schlangenknöterichs, dem gelben Scharfen Hahnenfuß und den lila Blütenblättern der Kuckuckslichtnelke. An einigen Stellen kann man sogar vom Weg aus das Breitblättrige oder das Fleischfarbene Knabenkraut sehen, kräftig lila blühende Orchideenarten.
Etwas später im Jahr gesellt sich noch das Mädesüß hinzu, außerdem der Große Baldrian und die imposante Waldengelwurz.

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Aufgrund der Natur schonenden Bewirtschaftung kommen am Federsee noch viele Pflanzen der Roten Liste der Gefährdeten Tier- und Pflanzenarten vor.
 

  Der Kuckuck ist wieder da!
Frühlingsbote

 
Ab Mitte April ist überall im Ried der Kuckuck zu hören. 25 bis 40 Kuckuckspaare brüten am Federsee – beziehungsweise lassen brüten, denn der Kuckuck ist ein Brutschmarotzer: Das Kuckucksweibchen legt seine Eier in fremde Nester in der Hoffnung, dass die Vogeleltern diese unbemerkt ausbrüten und großziehen. Insgesamt ist in Europa bei 45 Wirtsvogelarten erfolgreiche (Kuckucks-)Jungenaufzucht bekannt. Dabei ist jedes Kuckucksweibchen auf eine bestimmte Wirtsvogelart spezialisiert, nämlich auf diejenige, von der sie selbst einst aufgezogen wurde. Am Federsee ist der Teichrohrsänger der bevorzugte Wirt.
Kuckucke arbeiten mit allen Tricks: Hat das Weibchen ein geeignetes Nest gefunden, entfernt sie ein Ei und legt ein eigenes hinzu. Nach einer extrem kurzen Bebrütungszeit von nur 11 – 12 Tagen schlüpft das Kuckucksjunge. Kaum geschlüpft, befördert es alle bereits geschlüpften Wirtsgeschwister oder Eier aus dem Nest. Etwa drei Wochen lang füttern es seine unfreiwilligen Adoptiveltern und sind bald wesentlich kleiner als ihr Stiefkind. Ein Kuckuck wird etwa 33 cm groß, seine Teichrohrsänger-Zieheltern nur 13 cm!
Wer meint, der Kuckuck mache sich ein leichtes Leben, irrt gewaltig. Während andere Vögel ihr Heim innerhalb weniger Tage errichten und mit der beschaulichen Brut beginnen, ist das Kuckucksweibchen ständig auf Achse. Sie muss geeignete Wirtsnester finden, deren Gelege noch nicht vollständig sind, damit die Eier noch nicht bebrütet sind. Da sie einkalkulieren muss, dass die Täuschung auffliegt, legt sie, über etwa 8 Wochen verteilt, wesentlich mehr Eier als „normale“ Vogelweibchen, insgesamt etwa 20 Stück!
 

  Single-Party bei Zaunkönig und Rotkehlchen
Vogelbalz im Federseemoor

Rotkehlchen
Rotkehlchen
Wer zeitig am Morgen durchs Federseemoor spaziert, kommt sich zur Zeit vor wie bei einer gigantischen Single-Party. Da wird geflötet, gezwitschert, jubiliert und geschmettert.
Der Vogelgesang ist ein symbolischer Grenzzaun gegenüber fremden Männchen. Den Damen jedoch signalisiert der Gesang, dass hier ein stattliches Vogelmännchen einen schönen Bauplatz inmitten eines Nahrung bietenden Grundstückes besitzt. Unterstützt wird die Wirkung der Minnelieder noch durch auffällige Balzkleider.
Luftakrobatik und Minnelieder überall: Große Brachvögel rufen beim Balzflug mit kilometerweit hörbaren melodischen Flötentönen. Bekassinen erzeugen ein meckerndes Geräusch, indem sie die äußersten Schwanzfedern abspreizen. Über dem Schilf führen die grau-schwarzen Rohrweihenmännchen halsbrecherische Luftakrobatik vor. Sie lassen sich wie Flugzeuge mit Maschinenschaden nach unten trudeln, fangen die drohende Bruchlandung knapp über dem Boden auf, drehen sich auf den Rücken und fliegen wieder hoch. Dann folgt ein eleganter Looping...
Im Banngebiet wird man vom Flöten der Gartengrasmücke begrüßt. Schon von weitem dröhnt das Reviertrommeln der Spechte. Weiter im Waldinneren wispern die winzigen Goldhähnchen, überdeckt vom Buchfink, und aus dem Unterholz kommt der perlende Gesang der Rotkehlchen. Lautstark schmettert ein winziger Zaunkönig seine Strophe.
Gegen Ende des Frühjahrs hören die bezaubernden Vogelstimmenkonzerte langsam auf, die meisten Paare haben sich gefunden und brüten bereits. Ein aufwändiger Gesang lohnt sich also nicht mehr. Eigentlich schade!

 

  Orchideenblüte auf den Feuchtwiesen
Aparte lila Akzente

 breitblättriges Knabenkraut
Breitblättriges Knabenkraut
Im Mai und Juni blühen verschiedene Orchideenarten auf den feuchten Riedwiesen rund um den Federsee. Der beste Platz zur Beobachtung ist die vom Naturschutz frei gehaltene Lichtung im Banngebiet Staudacher, auf der neben dem Breitblättrigen Knabenkrauf (im Mai) und dem Fleischfarbenen Knabenkraut (im Juni) auch Raritäten aus anderen Pflanzenfamilien wachsen.
Zehn Ochideenarten wachsen im Federseeried. Sie profitieren von der Natur schonenden Bewirtschaftung der Feuchtwiesen am Federsee. Die späte Mahd ab Ende Juni ermöglicht es ihnen, zu blühen und sich auszusamen. Der Verzicht auf Gülledüngung schont die ursprünglich nährstoffarmen Moorstandorte. Auf überdüngten Standorten könnten sich Orchideen gegenüber Nährstoffliebhabern wie Löwenzahn und Süßgräser nämlich nicht durchsetzen. Von einer späten Mahd profitieren übrigens nicht nur seltene Feuchtwiesenpflanzen – auch am Boden brütende Vögel können dann gefahrlos ihre Jungen aufziehen.

 

  Der Weißstorch
Frühlingsbote und Glücksbringer


Bildquelle Klaus Weiß
Einige der Federseestörche haben sich die Reise nach Afrika gespart. Vor ihren aus den Winterquartieren zurückkehrenden Artgenossen besetzen sie die Horste und sind regelmäßig auf den Feuchtwiesen bei der Nahrungssuche zu entdecken.
Bei der Reise benutzen zwei Drittel der heimischen Weißstörche die Route über den Bosporus, das andere Drittel fliegt über Gibraltar nach Afrika - offene Wasserflächen wie das Mittelmeer werden mangels Thermik gemieden. Bis zu 600 km schafft ein Weißstorch pro Tag, legt aber zwischendurch auch immer wieder längere Pausen ein. So dauert es einige Monate, bis das Ziel erreicht ist. Manche Weißstörche ziehen 10.000 km pro Strecke!
Als Bringer neuen Lebens auf Feld und Flur nach dem langen Winter galt der Storch bei den Germanen als Götterbote und wurde zum heiligen Vogel Donars.
 

  NABU-Naturschutzzentrum Federsee
Federseeweg 6
88422 Bad Buchau
Tel: 0 75 82 / 15 66
Fax: 0 75 82 / 17 78
eMail:
Träger des Naturschutzzentrums
Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU)
Landesverband Baden-Württemberg
 

 

 

 
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