Beobachtungstipps im Mai - trotz Corona

Die Federseenatur im Mai

Kohlmeise im Wackelwald am Federsee
Kohlmeise (Bild: Thomas Munk)

Braunkehlchen, Feldschwirle und Wiesenpieper haben ihre Reviere besetzt und balzen. Jetzt lohnt sich ein Spaziergang durch das Naturschutzgebiet Südliches Federseeried besonders. Wann haben Sie das letzte Mal das fröhliche Frühlingslied der Feldlerche gehört?

Auf den Feuchtwiesen zwischen Federseeparkplatz und Bannwald Staudacher blühen Wiesenschaumkraut, Scharfer Hahnenfuß und Sumpfdotterblume. Im Banngebiet Staudacher ertönt ein vielstimmiges Vogelkonzert. 


Feuchtwiesenblüte

Feuchtwiesenblüte am Federsee (Bild: Jost Einstein)
Feuchtwiesenblüte am Federsee (Bild: Jost Einstein)

Eindrucksvolle Blütenteppiche seltener Feuchtwiesenpflanzen sind im Mai und Juni das charakteristische Merkmal der Wiesen rund um den Federsee. Aufgrund des kleinräumigen Mosaiks an Wasser- und Nährstoffverhältnissen und wegen der unterschiedlichen Bewirtschaftung der Wiesenparzellen blühen die Feuchtwiesen in den verschiedensten Farbtönen: kräftig lila die Bachkratzdisteln, hellrosa der Schlangen-knöterich, gelb der Scharfe Hahnenfuß und pink die Kuckucks-lichtnelke.

 


Die Zugvögel kehren zurück

Kuckuck und Teichrohrsänger am Federsee
Kuckuck mit Teichrohrsänger (Bild: NABU)

Seit Mitte April ist überall im Ried der Kuckuck zu hören. 25 bis 40 Paare "brüten" am Federsee - bzw. lassen brüten. Am Federsee ist der Teichrohrsänger der bevorzugte Wirt. Kuckucke arbeiten mit allen Tricks: Hat das Weibchen ein geeignetes Nest gefunden, entfernt sie ein Ei und legt ein eigenes hinzu. Nach einer extrem kurzen Bebrütungsdauer von nur 11 - 12 Tagen schlüpft das Kuckucksjunge. Kaum geschlüpft, befördert es alle bereits geschlüpften Wirtsgeschwister und Eier aus dem Nest. Etwa drei Wochen lang füttern es seine unfreiwilligen Adoptiveltern und sind bald wesentlich kleiner als ihr Stiefkind. 


Der Star: lustiger Stimmenimitator mit Frühlingsgefühlen

Star (Bild: Jost Einstein)
Star (Bild: Jost Einstein)

Bereits im Februar sind die ersten Stare zurückgekommen. Als Kurzstreckenzieher haben sie keine weite Reise hinter sich. Auch zieht nur ein Teil der Population weg - die Tendenz, im oder näher am Brutgebiet zu überwintern, hat in den letzten Jahrzehnten in Europa zugenommen.

Schon Ende Februar kann man die Show der Starenmännchen beobachten: Auf einem exponierten Ast sitzend, spreizt Herr Star lässig die Flügel und singt aus Leibeskraft. In langer Folge schwätzt, rätscht und schnalzt er, baut zwischendurch immer wieder knarrende Partien und Pfeiflaute ein. Manchmal tönt es auch zweistimmig, obwohl er ganz allein singt. Wer ganz genau hinhört, kann sogar Gesangs-elemente erkennen, die der Star von anderen Vogelarten geklaut hat - oder gar Hundebellen, Katzenmiauen und Fröschequaken. Kein Zweifel: Herr Star ist ein begabter Stimmenimitator.